/ März 12, 2021/ Allgemein, Berichte

Geschätzte Lesezeit: ca. 8 Minuten

Anonymität und Privatsphäre – Themen rücken in den Fokus des Internet-Benutzers.

Die Nachrichten sind voll mit diesen “Schlagwörtern” und es wird sehr viel darüber geschrieben. Es wird nicht nur aufklärend, sondern auch verwirrend berichtet. Das Thema ist jedoch derzeit “heiß”.
Der Endverbraucher, der Nutzer beginnt sich dafür zu interessieren und steht mitunter auch vor dem Problem, das er selbst mit dazu beigetragen hat, das es soweit kommen konnte.
Doch irgendwo muss man ja schließlich anfangen 😉

Was ist Anonymität und was ist Privatsphäre.

Zunächst ist die Privatsphäre ein Grundrecht. Es ist geregelt über das Grundgesetz und im Besonderen über das Datenschutzgesetz, welches sehr detailliert alle Punkte umfasst, wo andere in Kontakt mit persönlichen und persogenbezogenen Informationen kommen.

Es gilt, wie bei jeder Interaktion mit jemanden auf der Straße, im öffentlichen oder privaten Raum, dass es eine Erlaubnis geben muss, wenn irgendeine Handlung über das gewöhnliche/normale Maß hinaus stattfindet. Und das bedeutet im Umkehrschluß, dass sofern dies gesetzlich bzw. strafrechtlich geregelt ist, sich Jeder strafbar macht, wenn sich an diese Regel nicht gehalten wird.

Es ist natürlich immer wieder schade, das es überhaupt solche Gesetze geben muss, doch haben die jüngsten Veröffentlichungen (Leaks) seit Edward Snowden das Ausmaß des Missbrauchs von personenbezogenen Daten aufgedeckt. Wir möchten hier jetzt nicht im Detail auf die Breite der Gefahren und Schwachstellen eingehen, das sprengt nicht nur den Rahmen dieses Berichtes sondern ist über Suchmaschinen und Informationsseiten gezielter abrufbar.

Abgesehen davon werden persönliche Daten nicht nur zur professionellen Profilerstellung verwendet, sondern auch für Stalking, Mobbing oder noch bösartigere Taten, wie Identitätsdiebstahl, Betrug oder Erpressungen. Digitale Identitäten zu sabotieren, zu verfälschen oder unbefugten Dritten zugänglich zu machen können irreversiblen Schaden an Existenzen verursachen, dessen Ausmaß nicht ermessbar ist.

Die Anonymität ist die Möglichkeit, unerkannt zu bleiben. Beim Spazieren gehen mit einer Verkleidung oder im Internet mit entsprechender Technik. Dies ist kein Hexenwerk – es erfordert lediglich konsequentes Handeln. Dem gegenüber stehen unsere Bequemlichkeit und auch die Rechtfertigung derselben, was aus unserem Wunsch, anonym zu bleiben, wo man es möchte oder sollte letztlich nur ein Leitgedanke, jedoch keine Tatsache wird.

Die Technik (also die Hard- und Software) hat sich in den letzten 10-15 Jahren massiv verändert. Die Entwicklung von Konsumgütern, die mit Unternehmen zusammenstehen, welche den Benutzer dazu verleiten sollen, die Hürden von Anonymität und Privatsphäre “freiwillig” herab zusetzen, sogar zuzustimmen ist enorm. Kritische Stimmen, welche die Sprachboxen “Siri”, “Echo”, “Cortana”, “Alexa” (zurecht) als fragwürdig beurteilten hatten gegen die Sonderangebote, die strategischen Marketingkampagnen keine große Chance. Hinzu kommen die mobilen Endgeräte, welche mit Betriebssystemen ausgestattet sind, von Unternehmen entwickelt, die als Datenkraken bekannt sind und die nur widerwillig funktionieren, wenn man selbst die Türen im System schließt.

Organisiertes Datenschöpfen

Abschließend sei die teils schlecht konstruierte KI erwähnt, welche nach den Kriterien arbeitet, welche ihr “beigebracht” wurde. Letztlich findet gerade mit KI eine Datenverabreitung statt, die automatisiert und kaum noch von Menschen mit ethischen und moralischen Grundsätzen beobachtet/kontrolliert werden kann.

Alles in einem – es ist ein ziemlich düsteres Szenario, in dem die westlich zivilisierte Welt da steckt. Denn diese 10-15 Jahre reichten aus, um diese Industrie, in der die Information das digitale Öl darstellen beinahe unantastbar geworden ist.

Vom Regen in die Traufe?

Fragen, wie wir in CoDA-Deutschland damit umgehen, sind berechtigt. Dazu vielleicht ein Einblick in unsere Arbeit:

CoDA-Deutschland hat 2019 begonnen, solche Themen zu diskutieren. Es begann damit, das die DSGVO umgesetzt werden muss, das heißt etwas, was sowieso unsere Praxis ist den gesetzlichen Bestimmungen anzupassen. Und dabei haben wir auch begonnen aufzuräumen.

Als Beispiel sei hier erwähnt, dass das ursprüngliche Formular der “Sponsorschaftsbörse” Fragen beinhaltete, welches die Angabe von genaueren Informationen von Konflikten innerhalb von Beziehungen und Familie ermöglichte. Diese Informationen gelten vom Gesetzgeber als besonders schützenswert, wofür eine Mindestanforderung einer sicherheitstechnischen EDV verlangt wird. Diese konnten wir zu diesem Zeitpunkt nicht bieten und deswegen strichen wir diese Fragen ersatzlos aus dem Formular. (… und werden diese auch nicht mehr aufnehmen)

Die Auseinandersetzung mit diesem Thema förderte weitere Schwachpunkte zu Tage, aber auch, das dies unseren Mitgliedern nicht in dem Umfang bewusst ist, wie wir uns das wünschten. Seit 2019 weisen wir auf verschiedenen Kanälen darauf hin, dass z.B. die Verwendung von Pseudonymen in E-Mail Adressen grundsätzlich die Anonymität erhöht. Somit sind wir bei dem Thema, wie jeder einzelne mit seiner Identität umgeht. Da wollen wir uns nicht einmischen. Jedoch können wir grundsätzlich dafür sorgen, das wir im Rahmen unserer Grenzen und Möglichkeiten konstruktiv zum Schutz unserer Mitglieder beitragen.

Es ist interessant, das gerade jetzt, wo wir Server aufgesetzt haben, welche nach den derzeit geltenden Datenschutzgesetzen höchsten Ansprüchen gerecht werden, die Frage nach der Anonymität und Privatsphäre gestellt wird. (Für die CoDA-Gemeinschaft stehen derzeit die Videokonferenz-Server und das CoDA-Forum für Arbeitsgruppen und -Meetings zur Verfügung.)

Im Kern begrüßen wir es, das nun endlich dieses Thema “geknackt” ist und sich immer mehr damit auseinandersetzen.

Welche Regelungen haben wir, um zu gewährleisten, das jedes einzelne Mitglied während der Nutzung unserer Plattformen sich sicher sein kann, dass kein Missbrauch stattfindet oder durch Nachlässigkeit seine Anonymität gebrochen und die Privatsphäre geschützt bleibt?

Zunächst haben wir einen Dienst – das Internet-Komitee” in den GDA initialisiert. Damit haben wir den ersten Schritt getan, die ursprüngliche Arbeitsgruppe bestehend aus privat organisierten CoDA-Mitgliedern in einen Dienst zu holen, mit Grundsätzen, Einwahlkriterien, Berichten und “Mehr-Augen”-Prinzip. Die Arbeit ist nun transparent und Inhalte abrufbar. Auch sind solche Sachen wie z.B. Domaininhaberschaften etc. nicht mehr von einer Person abhängig, sondern sind nun Angelegenheiten von CoDA-GDA und dem Verein.

Desweiteren haben Ereignisse aus 2019/2020 uns dazu bewogen, eine Verschwiegenheitserklärung zu entwickeln, welche zudem ausdrücklich den Umgang mit personenbezogenen Daten regelt. Demnach sind Zuwiderhandlungen nun strafbar, sind also nicht mehr gedeckelt durch die ehrenamtliche Arbeit – welche in 12 Schritte Gemeinschaften im Zweifelsfalle gewöhnlich “unverbindlich” ist.

Wir kümmern uns. Und das meinen wir wirklich ehrlich.

Das Internet-Komitee besteht aus Diener*innen, welche durch ihre technische Expertise in der Lage sind, Server zu administrieren, Software zu installieren, zu konfigurieren und auch zu entwickeln. Der Dienst wird bekleidet durch Menschen, die in CoDA ihren Lebensweg gefunden haben und durch den Dienst etwas an die Gemeinschaft zurück geben. Sie sind Diener*innen die sich der Verantwortung bewusst sind und durch die Werkzeuge in den Traditionen und Konzepten die Arbeit auch immer wieder reflektieren.

Wenn ihr wissen wollt, wie wir arbeiten, begleitet uns einfach ein Stück. Kommt in unsere Arbeitsmeetings, kommt in den GDA. Stellt Anfragen über die Gruppensprecherversammlung oder auch als einzelnes CoDA-Mitglied an den GDA. Stellt eure Fragen offen, damit wir sie beantworten können. Beteiligt euch. Denkt auch mal darüber nach, selbst Dienst zu leisten um CoDA – angefangen von den Meetings bis hin zu umfangreicheren Aufgaben lebendig zu erhalten.

Es gibt immer etwas zu tun .. “viele Hände – schnelles Ende”

Euer Internet-Komitee.

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